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Jedem Alter seine Klasse - Stereotypen im Hausbau

Dieser Eintrag stammt von Günther Ohland Am 31.8.2011 @ 09:10 In Lebenshilfe, Grundlagen, SmartHome | Keine Kommentare

[1] Logo Haus sanierenAlte Kupferrohre, nackte Dachziegel oder gefährliche Holzschutzfarbe an der Vertäfelung – ein Haus aus den 20ern hat andere Mängel als eine Immobilie aus den 70ern. Wer ein älteres Gebäude energetisch sanieren will, stößt je nach Baujahr auf für die Zeit typische Konstruktionsmacken. Welche Mängel das eigene Haus  hat,  sollte  aber  immer ein  Experte vor  Ort  klären. Mit  dem  kostenlosen Energie-Check  im   Rahmen   der  bundesweiten   Kampagne   „Haus   sanieren   - profitieren“  der  Deutschen Bundesstiftung  Umwelt  (DBU) erhalten Hausbesitzer einen ersten groben Eindruck über den  energetischen Zustand ihrer Immobilie.

„Nur weil ein Haus beispielsweise nach Kriegsende gebaut wurde, muss es nicht prinzipiell schlecht sein“,  weiß DBU-Energieberater Andreas Skrypietz. Ein Thema eint  alle   Hausjahrgänge: „Feuchtigkeit kann  durch jede Mauer kriechen  und Schäden verursachen – egal, wann das Gebäude entstand“, so Skrypietz.

[2] Unterschiedliche BauqualitätenBaujahre bis 1920: Villen ohne Dämmung und Haustechnik
Herrschaftliche Villen mit viel Kunsthandwerk und schlichte Häuschen mit sparsamen Zuschnitten: Gebäude aus der Zeit um die Jahrhundertwende bis 1920 sind geprägt von diesem Gegensatz. Haustechnik, Wärme- oder Schallschutz oder auch die Sperrschicht gegen Feuchtigkeit im Keller spielten beim Bau keine Rolle. Rohre und Kabel lagen „auf Putz“. „In der Regel hatte nur die Küche einen Wasseranschluss“, erläutert Skrypietz. In den Decken oder Gewölbekellern können inzwischen die alten Stahlträger  vor sich hin rosten. Wer sich zum Dachboden aufmacht, kann damit rechnen, auf blanke Ziegel ohne Wärmedämmung  zu schauen. „Allerdings haben Hausbesitzer häufig  schon  Bauteile saniert“, so der Energieberater.

Baujahre 1920 bis 1949: Bauhaus und industrielle Baustoffe machen Schule
Mit   der  sogenannten  „Bauhaus“-Schule  kamen  ab  1920  über  Dessau  völlig  neue Architekturformen auf.  Zudem  eroberten industriell hergestellte Baustoffe  den  Markt. Langsam  entwickelte  sich  der  soziale  Wohnungsbau.  Mit  ihm  kamen  die  kleinen, funktionalen  „Frankfurter  Küchen“.  Die Toilette  fand  ihren  Platz  nicht  mehr  auf  halber Treppe, sondern im Bad.  „Leider wurden in   dieser  Zeit oft potenziell gesundheitsgefährdende Bleirohre für das Trinkwasser verwendet“,  erläutert  Skrypietz. Zudem gingen Baustoff-Innovationen oft mit  Anwendungsfehlern einher. Vor und nach dem Krieg fehlte es an Materialien. „Daher sollten Besitzer von Häusern aus der Zeit die Statik untersuchen lassen und schauen, ob beispielsweise der Dachstuhl noch trägt“, rät Skrypietz.

50er-Jahre Bauweise: Nachkriegszeit und Aufschwung prägt Hausbau

Bei Häusern aus den 50er Jahren war oft die Not der Stunde der eigentliche Architekt.„Bei   diesen   Gebäuden   findet   sich   außer   der   Statik   kaum   irgendwo   eine   an bauphysikalischen  Erkenntnissen  ausgerichtete  Planung  und Ausführung“,  beschreibt Peter Burk in seinem Ratgeber „Kauf eines gebrauchten Hauses“. Verbaut wurde, was da war: Von Schutt bis Ziegelsplitt fand sich in den Wänden und Decken alles  Mögliche wieder. Handwerker nutzten ab den 50er Jahren gesundheitsschädigende  Stoffe wie formaldehydhaltige    Holzschutzmittel oder Asbestzementplatten  im  Trockenbau. „Hauskäufer sollten deshalb darauf achten, ob ihre Wunschimmobilie schadstoffbelastet ist“, so Skrypietz.

Baujahre 1960 bis 1979: Bungalows und Beton revolutionieren Hausbau
Der Siegeszug des Betons begann in den 60er Jahren. Flachdächer und erste Fertighäuser machten auf sich aufmerksam. Vor allem im Keller floss der neue Baustoff ein.  „Mit   dem   Beton   entstanden   im   Mauerwerk   Wärmebrücken,   die   zu  großen Bauschäden   führten“,   kommentiert   Skrypietz.   Gleichzeitig  fingen  Handwerker  an, Außenwände  zu  dämmen  und  erste  Kellerdrainagen  zu  legen,  um  die  Wände  vor Feuchtigkeit  abzudichten.  Die   Ölheizung  setzte  sich  durch,  und  die  sogenannten Thermopanefenster lösten die Einfachverglasung ab. Mit der Ölkriese 1974 begann ein Umdenken hin zur Gas- und Fernwärmeversorgung. „Bungalows und auch Fertighäuser steckten noch in den  Kinderschuhen und hatten Konstruktionsfehler“, weiß  Skrypietz. Auch die Schadstoffbelastung blieb bei vielen Häusern aus der Zeit ein Problem.

Baujahre 1980 bis 2000: Ökologische Materialien und Passivhäuser
Von den Betonbauten hin zu einer „menschlichen“ Architektur – für Burk markierten die 80er Jahre nochmals einen Einschnitt. Hausbesitzer orientierten sich erstmals an ökologischen Materialien und Konstruktionen. Ende des Jahrzehnts kamen Niedrigenergiehausbauweisen, in den 90ern die Passivhäuser auf. „In modernen,  top gedämmten Häusern ist die Lüftung oft nicht geregelt, wodurch  Feuchtigkeitsschäden entstehen können“; betont Skrypietz.

[3] DBU-LogoBuch-Tipp: Peter Burk u.a. (2011): „Kauf  eines  gebrauchten Hauses. Besichtigung,  Kaufvertrag, Übergabe“. Verlagsgemeinschaft Stiftung Warentest und Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V., 7. Auflage, 9,90 €.


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